Neues aus dem Markt

16.01.2026 - Hohe Ziele im neuen Jahr nach schwachem PV-Zubau 2025

 
 

2025 trug PV in Deutschland erstmals mehr zur Stromversorgung bei als Braunkohle, der Zubau liegt aber weiter deutlich unter den gesteckten Klimazielen. Der Zubau von Aufdachanlagen ist um ein Viertel und im Bereich privater Kleinanlagen sogar um über 39 % gesunken. Schon im 2. Jahr in Folge schwächelt damit die Entwicklung der dezentralen Stromerzeugung als wichtigste Säule der Energiewende.

Anlagen unter 100 kWp seit zwei Jahren rückläufig

Mit einem Zubau von 1.202 kWp im Dezember bleibt der Jahreszubau unter dem Vorjahresniveau. Während große Anlagen die Statistik weiterhin stützen, verzeichnet das Segment bis 100 kWp einen deutlichen Rückgang. Im Vergleich zu den Vorjahren zeichnet sich damit eine zunehmend ausgeprägte strukturelle Verschiebung im Markt ab.

Photovoltaik-Zubau in Deutschland nach Größenklassen (2023-2025)

Ob der Einbruch politisch gewollt ist, lässt sich nur vermuten. Aber klar scheint inzwischen zu sein, dass aus dieser Richtung kein Rückenwind kommen wird. „Es gibt für die PV-Branche nach aktuellem Kenntnisstand keinen Grund, auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu warten. Wir müssen unser Glück offensichtlich selbst in die Hand nehmen, zum Beispiel indem regionale Handwerksbetriebe sich stärker mit Online-Marketing auseinandersetzen“, ordnet EWS-Geschäftsführer Jan Paul Dahm ein.


Gewerbespeicher-Boom kommt nicht von selbst

Heimspeicher folgen im Zubau natürlicherweise dem Nachfragetrend privater PV-Anlagen. Der Rückgang wird hier jedoch durch Nachrüstungen und in Relation zur PV-Anlage steigende Speichergrößen statistisch teilweise abgepuffert. Die Entwicklung bei kleinen und mittleren Gewerbespeichern ist im Gegensatz dazu zwar positiv, bleibt aber seit Jahren hinter den Erwartungen der Branche zurück. „Die Branche setzt sich zurecht hohe Ziele im Bereich der Gewerbespeicher, aber von den Investoren wird die Wirtschaftlichkeit offenbar immer noch stark unterschätzt“, so Jan Paul Dahm.

Installierte Speicher-Kapazität nach Größenklassen (2023-2025)

Um dem zu begegnen, sind gezielte Informations- und Aufklärungsangebote notwendig – etwa zu Amortisationszeiten, Praxisbeispielen und kombinierten Geschäftsmodellen wie Lastmanagement und der Nutzung dynamischer Stromtarife. Gemeinsam mit Herstellern realisiert EWS daher Informationskampagnen, um Installationsbetriebe bei der aktiven Kundenansprache über Events und Hausmessen zu unterstützen. Branchenverbände interessanter Zielgruppen können hierbei als wichtige Multiplikatoren fungieren, um Informations- und Aufklärungsangebote in die Breite des Marktes zu tragen.



Steigendes Interesse an Notstromsystemen

Geopolitische Unsicherheiten und medienwirksame Stromausfälle weltweit rücken die Abhängigkeit von einer sicheren Stromversorgung stärker ins Bewusstsein von Unternehmen und privaten Haushalten. Das öffnet die Themen Not- und Ersatzstrom ebenso wie Netzunabhängigkeit wieder als Argumentationsfeld für die PV-Branche.

Parallel dazu entstehen neue Geschäftsmodelle aus der intelligenten Verknüpfung von Photovoltaik, Speichern und Energiemanagement. In Kombination mit dynamischen Stromtarifen, lastvariabler Steuerung sowie Not- und Ersatzstromfunktionen werden PV-Speicher-Systeme zunehmend multifunktional eingesetzt: zur Kostenoptimierung, zur Reduzierung von Lastspitzen und zur Erhöhung von Autarkie und Versorgungssicherheit. Neben der klassischen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gewinnen damit Resilienz, Flexibilität und Systemdienlichkeit deutlich an Bedeutung für Investitionsentscheidungen.

Dezentrale Energiewende politisch vernachlässigt

Nach Auswertungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) trugen über
5,5 Millionen installierte Photovoltaikanlagen im Jahr 2025 rund 19 % zur gesamten Stromerzeugung in Deutschland bei – weniger als die Windkraft, aber mehr als jede andere einzelne Erzeugungsform. Dennoch stehen in der energiepolitischen Debatte bislang vor allem Netzausbau und zentrale Erzeugungskapazitäten im Fokus. Die volkswirtschaftlichen Vorteile dezentraler PV-Speicher-Systeme – etwa vermiedene Netzausbaukosten, geringere Übertragungsverluste und eine höhere Systemstabilität – werden dagegen kaum systematisch berücksichtigt.

In Kombination mit Speichern, intelligentem Lastmanagement und einer am tatsächlichen Verbrauch orientierten Auslegung entwickeln sich PV-Anlagen zunehmend von reinen Einspeisern zu aktiven, netzstabilisierenden Systemen. Durch höheren Eigenverbrauch und gezielte Lastverschiebung entlasten dezentrale Anlagen die Netzinfrastruktur und reduzieren Lastspitzen insbesondere in Niederspannungsnetzen.

Diese funktionale Aufwertung spiegelt sich zunehmend auch in den Marktdaten wider: 86 % aller privaten PV-Anlagen werden heute mit Speichersystem installiert. Die installierte Speicherkapazität pro PV-Anlage steigt kontinuierlich, Nachrüstungen nehmen zu und insbesondere im Gewerbebereich gleichen sich die Leistungsdimensionen von Photovoltaikanlagen und Speichern strukturell immer stärker an. Investitionen erfolgen damit zunehmend in integrierte Gesamtsysteme statt in isolierte Erzeugungskomponenten. Der Markt entwickelt sich folglich schrittweise hin zu ganzheitlichen, systemdienlichen Energiesystemen, bei denen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch gemeinsam geplant und wirtschaftlich bewertet werden.

Weitere Auswertungen zur Entwicklung des Zubaus sowie Details zur Einspeisevergütung finden Interessierte unter dem nachfolgenden Link.

Link: Bundesnetzagentur – EEG-Zubauwerte und Fördersätze